Medaillen, Lose, Gelbe und Rote Karten - dazu der Einheitsmotor ab 2010: Während Bernie Ecclestone erstaunliche Visionen zur Formel 1 der Zukunft offenbarte, kündigte der Automobil-Weltverband FIA am Freitag eine Ausschreibung für Einheitsmotoren an, mit denen die Königsklasse ab 2010 deutlich kostengünstiger werden soll.
Ecclestone schlug in einem Interview der Zeitschrift 'auto, motor und sport' vor, Medaillen sowie Gelbe und Rote Karten einzuführen. Zudem regte er ein Punktesystem im Qualifying an, die Startaufstellung der Top-10-Fahrer sollte nach seiner Meinung anschließend aber ausgelost werden.
"Ich würde wie bei den Olympischen Spielen Medaillen statt Punkte vergeben. Einmal Gold ist besser als dreimal Bronze", sagte 77-Jährige. Bei einem System mit Medaillen würde mehr überholt werden. "Ich habe lieber Silber als Bronze, weil es mir in der Meisterschaft im Vergleich zum heutigen Punkteschema weiterhilft", erläuterte Ecclestone.
Strafregister wie in Flensburg?
Zudem will der Brite das Strafsystem des Fußballs auf die Formel 1 übertragen. "Ich plädiere für einen Ober-Schiedsrichter, der entweder sofort eine Strafe ausspricht oder ansonsten wie im Fußball eine Gelbe Karte zeigt. Für jeden Fahrer sollte wie bei einer Verkehrssünderkartei ein Strafregister angelegt werden", sagte er und ergänzte: "Für bestimmte Vergehen gibt es gleich die Rote Karte, für andere ein Gelbe. Wenn sich eine bestimmte Anzahl Gelber Karten angehäuft hat, wird der betreffende Fahrer für das nächste Rennen gesperrt."
Zuletzt waren die Rennkommissare wegen zahlreicher Strafen ins Gerede gekommen. Sie hätten richtig entschieden, meinte Ecclestone, man müsse aber aufpassen, "dass wir nicht jede kleine Aktion bestrafen. Sonst trauen sich die Fahrer nicht mehr zu überholen."
Weiterhin plädierte er für eine radikale Veränderung der Qualifikation. Diese sollte man so ändern, "dass wirklich der Schnellste vorne steht. Alle fahren mit minimaler Spritmenge. Für die Qualifikation sollte es Punkte geben. Damit lohnt es sich auf der Pole Position zu stehen. Im Augenblick ist es nur eine Ehre", sagte er. Die tatsächlichen Startplätze der besten zehn Fahrer würde er anschließend auslosen: "Das wäre noch ein kleines Showelement."
Kosten sollen weiter reduziert werden
Ecclestone setzte sich auch erneut für Einheitsmotoren ein, um die Kosten drastisch zu senken. "Wir geben eine Spezifikation vor, und die Hersteller bauen den Motor nach diesen Vorgaben. Zur Überprüfung, dass keiner schummelt, müssen die Motoren von Zeit zu Zeit auf einen neutralen Prüfstand", meint Ecclestone.
Kurz zuvor hatte die FIA eine Ausschreibung für Einheitsmotoren angekündigt und die Hersteller damit massiv unter Druck gesetzt. Am Dienstag wollen diese dem FIA-Präsidenten Max Mosley in Genf ihre Vorschläge zur angestrebten drastischen Kostensenkung präsentieren.
Teams laufen gegen Einheitsmotoren Sturm
Zuvor hatten die Hersteller deutlich gemacht, dass man gegen die Einführung von Einheitsmotoren ist. Laut FIA-Mitteilung soll der Gewinner der Ausschreibung ab 2010 drei Jahre lang allerdings nur für die Rahmenbedingungen der Einheitsmotoren und -getriebe zuständig sein. Die Hersteller könnten innerhalb eng gesteckter Grenzen dann selbst produzieren.
Für die Autobauer wäre ein komplett standardisierter Motor ohne Spielraum ein Schlag ins Gesicht. Hersteller würden in diesem Fall aussteigen, warnte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen. Begrüßt wurde der Vorstoß nur von den Privatteams wie Force India.